Jenfeld-Galerie

Das sind wir und das haben wir vor:

Die Jenfeld-Galerie ist ein Kunst- und Beteiligungsprojekt im Hamburger Stadtteil Jenfeld. Initiiert vom Jenfeld-Haus und unterstützt durch das Bezirksamt Wandsbek im Rahmen des Programms „Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE)“, verfolgt das Projekt das Ziel, Kunst im öffentlichen Raum sichtbar zu machen und die Identifikation der Bewohner:innen mit ihrem Stadtteil zu stärken.

Ausgangspunkt war ein großformatiges Wandbild an der Fassade des Jenfeld-Hauses, das im Sommer 2022 vom Hamburger Künstler BROZILLA gestaltet wurde. Es basiert auf Fotografien von Monika Wolff und zeigt Porträts von Menschen aus dem Stadtteil, die durch intensive Gespräche mit der Nachbarschaft ausgewählt wurden.

Ab 2025 wird die Jenfeld-Galerie konzeptionell erweitert. Neben Street-Art sollen künftig auch weitere Kunstformen (z. B. Mosaiken, Konzeptkunst, Skulptur, Performance, Digitales uvm.) eingebunden werden. Ein Schwerpunkt liegt auf partizipativen Formaten, in denen professionelle Künstler:innen und Bürger:innen gemeinsam kreative Prozesse gestalten.

Pressemitteilung zur Einweihung des Mosaiks „Das Jenfelder Weltenbild“ am 03. September 2025

Das Kunstwerk „Jenfelder Weltenbild – ein Tile des Ganzen“ (Tile (engl.)= Fliese, Kachel) ist eine Gemeinschaftsarbeit im Rahmen der Jenfeld-Galerie, ein Projekt des Jenfeld-Haus, Träger: Selbsthilfe e.V. Jenfeld.

Jeder Abschnitt, gemeinsam gestaltet von Workshop-Teilnehmer:innen symbolisiert individuelle Stimmen und gemeinschaftliche Zusammenhänge. Ein Folgeprojekt „Schlafende Hunde“ wird am Einkaufszentrum Jenfeld realisiert. Die Jenfeld-Galerie versteht sich als langfristige künstlerische Plattform für Kunst- und Beteiligungsformate mit dem Ziel Kunst im öffentlichen Raum sichtbar zu machen und die Identifikation der Bewohner:innen mit ihrem Stadtteil zu stärken.

Der Mosaik-Workshop im Rahmen der Jenfeld-Galerie war ein voller Erfolg. Unter der Leitung der Hamburger Mosaikkünstlerin Monika Seif haben 17 kreative Teilnehmer:innen an mehreren Wochenenden ein beeindruckendes Mosaik von über 12 Metern Länge am Sockel des Jenfeld-Hauses gestaltet. Während der Außenarbeiten erhielten die Mitwirkenden durchweg positives Feedback von Passant:innen jeden Alters.

Das Projekt, das durch öffentliche und private Mittel gefördert wurde, bot allen Interessierten zwischen 8 und 99 Jahren die Möglichkeit, aktiv mitzuwirken und Gemeinschaft zu erleben. Wir freuen uns, dass dieses Kunstwerk nun Teil unserer Galerie ist und die Verbindung im Stadtteil stärkt.

Am 3. September 2025 um 14 Uhr wurde das Mosaik im Beisein von Fördernden, Umsetzenden, Mitarbeiter:innen und Freund:innen des Hauses feierlich eingeweiht.

Wir hoffen auf baldige Fortsetzung dieser Art Kunst im öffentlichen Raum zu machen, mit viel Freude und Beteiligung vor Ort.

Zusammenfassung des Projekts:

Das Jenfelder Weltenbild – Ein Tile des Ganzen, 2025

Gemacht von Menschen aus dem Stadtteil und der Stadtgesellschaft im Rahmen eines Workshops Mosaikkunst

Fachleitung Mosaikkunst: Monika Seif

Gefördert von RISE Jenfeld-Zentrum , DOMO e.V. und der INIT GmbH

Das Jenfelder Weltenbild ist ein Exponat der Jenfeld-Galerie
Kunst im öffentlichen Raum mit und für die Nachbarschaft
Ein Projekt des Jenfeld-Haus, Träger: Selbsthilfe e.V. Jenfeld

Projektleitung Jenfeld-Galerie BFD 2025: Kirsten Schmidt

Die BFD-Stelle wurde eingerichtet mit freundlicher Unterstützung von STADTKULTUR HAMBURG

2025 Jenfeld-Galerie will draußen spielen!

Im Sommer 2022 entstand an der Außenfassade des Jenfeld-Hauses ein beeindruckendes Graffiti, das als Initialzündung für die Jenfeld-Galerie dient. Der Hamburger Künstler BROZILLA schuf ein riesiges Wandbild, das zwei Porträts von Menschen aus dem Stadtteil zeigt – eine Collage bestehend aus Porträts von Jenfeldern, die durch Fotografien von Monika Wolff inspiriert wurde. Während seiner Streifzüge durch Jenfeld führte BROZILLA zahlreiche Gespräche mit den Bewohner:innen und erlebte eine große Offenheit für sein Vorhaben.

Dieses Wandgemälde ist nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein Zeichen für den Wandel im Stadtteil. Es soll als Auftakt zu einem größeren kulturellen Projekt dienen, das den Einwohner:innen von Jenfeld mehr Angebote und eine neue Perspektive bietet. Inspiriert von erfolgreichen Kunstinitiativen in New York, hat die Jenfeld-Galerie das Ziel, durch Kunst und Kreativität neue Blickwinkel zu schaffen und die Wertschätzung für das eigene Umfeld zu fördern.

2025

Im Jahr 2025 wollen wir die Jenfeld-Galerie erweitert denken und gestalten. Die bisher einzige tragende künstlerische Säule, die Street-Art, soll durch weitere Kunst-Genres und eine größere Bürgerbeteiligung ergänzt werden.

Die Jenfeld-Galerie ist eine Initiative des Jenfeld-Hauses in Zusammenarbeit mit Partner:innen und wird durch das Bezirksamt Wandsbek im Rahmen des Programms „Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE)“ unterstützt. Der gesamte Entstehungsprozess des Graffitis wurde filmisch dokumentiert und ist auf der Webseite des Jenfeld-Hauses einsehbar.

Wir laden potenzielle Investoren ein, Teil dieser visionären Initiative zu werden, die nicht nur die Lebensqualität in Jenfeld steigert, sondern auch das lokale Wirtschafts- und Kulturleben nachhaltig stärkt.

Das Jenfeld-Haus hat sich bereits als ein zentraler Ort des kulturellen Lebens etabliert. Mit der Jenfeld-Galerie wollen wir dieses Engagement weiter ausbauen und Kunst in den öffentlichen Raum bringen. Unser Ziel ist es, ein kreatives Zentrum zu schaffen, das sowohl professionelle Künstler:innen als auch die Bürger:innen aktiv einbezieht.

Durch Workshops und Veranstaltungen fördern wir die kreative Entfaltung und den Austausch zwischen verschiedenen Generationen und Kulturen.

Das Projekt

Die tragenden Säulen des Projekts

Die Jenfeld-Galerie basiert auf einem vielfältigen Konzept, das sowohl professionelle Künstlerinnen als auch Laien (Hobby-Künstler) einbindet. Hier sind einige Möglichkeiten, wie sich eine Vielzahl von Bürgern am Projekt beteiligen können:

– Digitale Kunst: 

Wir planen, Kunstwerke mithilfe von Beamern auf Fassaden zu projizieren, um temporäre Installationen zu schaffen, die das Stadtbild dynamisch verändern. Zudem soll eine Online-Galerie eingerichtet werden, die digitale Kunstwerke präsentiert. Eine QR-Code-Kunst-Schnitzeljagd wird es den Bürger:innen ermöglichen, Kunstwerke im Stadtteil zu entdecken und mehr über die Künstlerinnen zu erfahren.

– Analoge Kunst: 

Die Galerie wird auch Raum für klassische und experimentelle analoge Kunst bieten. Dazu gehören

Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien, wie z.B.

Motorsägenskulpturen, die anschließend von Kindern bemalt werden können.

Workshops für Kinder, wie „Steine bemalen und zu einem Mosaik zusammen setzen“, fördern die Kreativität und das Gemeinschaftsgefühl.

– Interaktive Kunstprojekte: 

Ein Street-Art-Puzzle, bei dem mehrere Quadratmeter Holzplatten künstlerisch gestaltet werden, lädt die Gemeinschaft ein, aktiv an der Gestaltung des Stadtteils teilzunehmen.

-Fliegende Galerie:

Ein spannendes Konzept ist die „Fliegende Galerie“, bei der Kinder aus Drucken bekannter Werke Drachen gestalten, die im Rahmen eines Aktionstags zum Einsatz kommen.

Darüber hinaus können an

Fassaden montierte „Fensterläden“ als reversible Träger für Streetart dienen, die regelmäßig neu gestaltet werden können.

-Interaktive Kunstprojekte: 

Ein Street-Art-Puzzle, bei dem mehrere Quadratmeter Holzplatten künstlerisch gestaltet werden, lädt die Gemeinschaft ein, aktiv an der Gestaltung des Stadtteils teilzunehmen. Das Riesengemälde wird in mehrere große Teile zerteilt und im Stadtteil verteilt, sodass die Bürger:innen diese Teile mittels Handyfotografie in ihrer Foto-App zu einem kompletten Bild zusammensetzen können.

Diese Projekte sollen nicht nur die Kreativität anregen, sondern auch das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bewohner:innen stärken.

Gemeinsam den Stadtteil gestalten: Der Graffiti-Künstler BROZILLA, der Autor Nils Mohl und die Jenfeld-Galerie

Der Graffiti-Künstler BROZILLA und die Jenfeld-Galerie

Was bewirkt Street Art im öffentlichen Raum? Können Graffiti einen Stadtteil aufwerten, wenn die Bewohner*innen mitmachen? Der Künstler BROZILLA hat es in Hamburg-Jenfeld ausprobiert.

© MassivKreativ: BROZILLA beim Workshop 2022
© MassivKreativ: BROZILLA beim Workshop 2022
© MassivKreativ: BROZILLA gemeinsam mit Monika Wolff

Offenheit

BROZILLA ist überrascht. Mit so viel Sympathie und Zustimmung hat er nicht gerechnet. Neugierig geht der Graffiti-Künstler, der mit bürgerlichem Namen Gerrit Fischer heißt, auf die Bewohner*innen im Stadtteil zu. An der Außenfassade des Jenfeld-Hauses solle ein riesiges Graffiti entstehen, erzählt er ihnen. Auf der Wand am Parkplatz würden ab dem Hochsommer Gesichter von Jenfelder*innen zu sehen sein, verschiedene Menschen  künstlerisch ein wenig verfremdet, kombiniert und mit der Sprühdose an die Wand gemalt. Grundlage für das Graffiti-Werk seien Porträtfotos, erklärt BROZILLA weiter. Die Fotografin Monika Wolff würde sie gleich hier vor Ort im Bild festhalten, wenn die Jenfelder*innen einverstanden seien.

Gesehen werden

99 % der angesprochenen Bewohner*innen sagen spontan JA. Und wollen mehr wissen: über Graffiti allgemein, ob sie offiziell erlaubt seien, wie das mit dem Sprühen überhaupt so ginge und wer noch alles auf die Fassade käme. Gerrit alias BROZILLA und Monika erzählen, was sie vorhaben. Initiator des Projektes ist das Jenfeld-Haus, das noch weitere Unterstützer von der Graffiti-Idee begeistern konnte: die Freie und Hansestadt Hamburg bzw. das Bezirksamt Wandsbek als Förderer im Rahmen von RISE, dem Rahmenprogramm Integrierte Stadtteil-Entwicklung, sowie als Partner im Stadtteil verschiedene Institutionen, die alle ein gemeinsames Ziel haben: Sie wollen der Jugend-, Kultur- und Sozialpolitik und vor allem der Quartiersentwicklung Flügel verleihen.

© Jenfeld-Haus

Gehört werden

Aus der spontanen Fotoanfrage entwickeln sich längere Gespräche. Ein älterer Jenfelder erzählt, er sei 1961 als einer der ersten Gastarbeiter nach Hamburg gekommen. In Jenfeld hat er eine neue Heimat gefunden und fühlt sich wohl im Quartier. Er schätzt das Miteinander der vielen Kulturen, besonders das unterschiedliche Essen. Eine junge Frau antwortet auf die Frage, ob sie denn einen Lieblingsplatz im Stadtteil habe, ohne überlegen zu müssen: “das Jenfeld-Haus“. Hier würde sie Freund*innen treffen, reden, Neues erfahren, gemeinsam lachen. Genau das bedeutet Heimat für sie, ein Ort, an dem sie sich verstanden, vertraut und willkommen fühlt.

Wertgeschätzt werden

Viele Bewohner*innen sind glücklich, dass sich etwas in ihrem Stadtteil tut. Sie sind überzeugt, ein buntes Graffiti kann ein positives Lebensgefühl erzeugen – mit ihren lebendigen Gesichtern allemal! Mit dem Graffiti fühlen sie sich wahrgenommen, anerkannt, wertgeschätzt. Einen direkten Zugang zu den Menschen in Jenfeld zu schaffen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, sie zu fragen und aktiv zu beteiligen – genau das ist den Ideenstiftern der Jenfeld-Galerie wichtig. In der Vergangenheit sei Jenfeld oft als benachteiligter und problematischer Stadtteil in die Medien und Schlagzeilen geraten, berichtet in einem weiteren Podcast-Interview der Jenfelder Autor Nils Mohl. Er habe lange überlegt, wie sich diese einseitige Wahrnehmung ändern ließe. Gemeinsam mit Olaf Schweppe-Rother, dem Geschäftsführer des Jenfeld-Hauses, sucht er nach anderen, positiven Bildern. In Gerrit Fischer alias BROZILLA finden sie rasch einen Verbündeten. Er erhält den Auftrag, mit Sprühdosen ein großes Wandbild zu malen.

© BROZILLA: in Aktion
© BROZILLA: on Love

Mission

Ein Fassadenbild kann viel bewirken, darüber sind sich alle einig. Das Wandbild am Jenfeld-Haus soll Auftakt und Impulsgeber für die neue Jenfeld-Galerie sein. Nach und nach sollen auf mehreren offiziell freigegebenen Flächen im Stadtteil immer neue Graffiti entstehen und unter freiem Himmel bewundert werden. BROZILLA hofft, dass die Jenfeld-Galerie den Stadtteil zusammenwachsen lässt. Durch die Hauptverkehrsadern ist Jenfeld etwas zerschnitten, die verschiedenen Areale sind voneinander abgetrennt. Was dazu führt, dass die Bewohner*innen meist in ihrem engeren Umfeld bleiben. Die Graffitibilder der Jenfeld-Galerie sollen sie animieren und verführen, von einem Areal in das andere zu spazieren, immer wieder neue Bilder zu sehen, neue Bekanntschaften zu machen und miteinander ins Gespräch zu kommen, auch mit Gästen von außerhalb. BROZILLA: „Wenn das auch noch dazu führt, dass Menschen aus anderen Stadtteilen oder Touristen hier herkommen, extra um sich das anzugucken, dann werden die Jenfelder*innen dadurch irgendwann selbstbewusst sagen: Hey, ich komme aus Jenfeld! Unabhängig davon hoffe ich einfach, dass die Leute am Graffiti vorbeigehen und sich daran erfreuen, es einfach nur wahrnehmen oder sich vielleicht in irgendeiner Form damit auseinandersetzen, auch noch in einem Jahr, selbst wenn sie jeden Tag mit dem Auto vorbeifahren.“

BROZILLAS Anfänge

Mit 12 Jahren entdeckt BROZILLA das Sprühen für sich. Aufgewachsen südlich der Elbe in Hamburg-Harburg macht ihn ein Mitschüler mit der Graffiti-Malerei bekannt, der Kunst der Straße. Autodidaktisch eignet sich BROZILLA nach und nach immer mehr Techniken an. Er beginnt mit dem „Taggen“, Unterschriftenkürzeln, mit denen sich Street-Art-Künstler*innen an Wänden und Bahnwaggons verewigen – zu dieser Zeit häufig noch unerlaubt. Über die Anfangsjahre sagt BROZILLA rückblickend, er habe sich „zunächst intensiv mit der ungefragten Umgestaltung des öffentlichen Raumes auseinandergesetzt“ inkl. „jugendlichem Adrenalin“.

© BROZILLA: Taggen
© BROZILLA: Hommage an Salvador Dalí

New York

Ein wenig Waghalsigkeit und Rebellion begleitete auch die Geburtsstunde von Graffiti in den 70er Jahren. Die erste Sprühdose erfand übrigens schon 1926 der norwegische Ingenieur Erik Andreas Rotheim – eine „nachfüllbare Büchse zum Selber-Sprühen“, zunächst für Lack. BROZILLA erzählt über die Anfänge von Graffiti in New York: „Es streiten sich die Geister immer ein wenig darüber, wer denn nun der Erste war, der das erfunden hat. Ich bin der Meinung, TAKI 183 war es, ein Postbote in der Bronx. Der hat immer dort, wo er seine Pakete und Briefe ausgeliefert hat, „183“ an die Wand geschrieben. Das fanden die Kids in der Bronx ganz spannend und so fingen auch sie mit dem Graffiti-Malen an.“ Taki ist der Spitzname bzw. die Koseform des damals 17jährigen Griechen Dimitrios bzw. Dimitraki. 1971 veröffentlicht die New York Times einen Artikel über ihn und erklärt die Ziffer 183 mit Takis Adresse: 183rd Street, Washington Heights, Manhattan.

Europa

Inspiriert von Takis Initialzündung finden sich immer mehr Nachahmer, schließlich auch in Europa: Paris, Amsterdam, London, Lissabon, Berlin. Mit dem Hip-Hop entsteht eine vielschichtige Jugendkultur, neben Graffiti auch Breakdance, DJing und Rap. Hamburg habe früh stilistisch sehr starke Sprüher hervorgebracht, erzählt BROZILLA. „Auch heutzutage gibt es hier noch Graffiti-Sprüher, die immer noch ein on top setzen, also die Entwicklung des Graffiti vorantreiben. Hamburg ist auf jeden Fall kontinuierlich über eine lange Zeit eine große Nummer, bestimmte Akteure sind in der Szene definitiv weltweit bekannt.“

© BROZILLA: Krisen-Graffity in Bremen

Workshops

Fast überall, wo BROZILLA sprüht, gibt er sein Wissen in Workshops weiter, in Namibia z. B. in einer Grundschule: „Ich bin da vielleicht noch so ein bisschen „old school“ drauf. Früher war es eben Teil der Straßenkultur, dass immer etwas vom eigenen Können an andere weitergeleitet wurde – nach dem Motto: Each one teach one.“ BROZILLA weiß aus eigener Erfahrung, dass die ersten Schritte nicht immer ganz so leicht von der Hand gehen. Graffiti ist Kunst und Handwerk und braucht viel Übung. Normales Zeichnen sei immer eine gute Grundlage, z. B. ein Verständnis über Buchstaben zu haben: „Wie ist ein Buchstabe aufgebaut. Wie kriege ich den zum Tanzen? Was kann ich wie verschnörkeln?“ Begleitend zur Fassadengestaltung wird BROZILLA auch einen Graffiti-Workshop im Jenfeld-Haus anbieten: „Für Leute, die Interesse am Thema haben und noch mal einen anderen Zugang wollen, die einfach mal wissen wollen, wie so ein Graffiti entsteht und wie so etwas geplant wird.“

© BROZILLA: Auftrag der Deutschen Botschaft in Armenien
© BROZILLA: Namensfindung und Stylewriting

Namensfindung BROZILLA

Sein Pseudonym BROZILLA ist in einem längeren Prozess entstanden, mit einem Schuss Selbstironie: „ich fing an mit BROZ, ganz bewusst, weil das doof klingt. Graffiti-Sprüher wollen ja meist irgendwelche fancy Namen, die zeigen, wie tief sie sind und wie cool. Mir war wichtig, dass der Name ein Unikat ist, der bisher auf der ganzen Welt nicht gesprüht wird. Da boten sich schwierige Buchstabenkombination mit einem blöden Klang an. Und dann habe ich mich daran abgearbeitet: Broz-Lee, Broz-one, hello Brozzi, irgendwann auch in Anlehnung an Godzilla am Ende dann halt BROZILLA (mit kurzem o!). Dieser Name ist dann bis heute geblieben.“

Handwerk

Seine Fertigkeiten hat BROZILLA stetig erweitert: vom Stylewriting, d. h. seinen Namen in einer bestimmten Form zu gestalten, zunächst den Hintergrund (Background), dann Schriftzüge zu setzen, sie zu umranden (Outlines), sie im Innern mit Füllungen zu versehen (Fill-In), ihnen mit 3D-Effekten Tiefe zu geben (Blöcke), mit hellen Strichen oder Punkten Lichtreflexe zu setzen (Highlights). Manchmal, z. B. in Workshops, nutzt BROZILLA Schablonen (Stencil), d. h. „ich schneide etwas raus, um später das Motiv hindurch zu sprühen.“

Graffiti ist Miteinander

BROZILLA transportiert mit seiner Kunst durchaus politische Botschaften. „Früher war ich wütender, da habe ich einen deutlich aggressiveren Ausdruck gesucht, um den Leuten mit meinen Bildern “ins Gesicht zu schreien“, sagt BROZILLA. „Heute merke ich, dass mein politischer Anspruch sich auf das menschliche Miteinander richtet – nach dem Motto: Hey, wir sind alle Menschen, egal welcher Hautfarbe, egal welcher Kultur. Wir müssen einfach miteinander reden und uns auseinandersetzen.“ Mit Schwarz-Weiß-Meinungen zu bestimmten Konflikten kann BROZILLA nur noch wenig anfangen. „Ich habe ja immer auch Graubereiche kennengelernt, wenn ich auf der Welt unterwegs war. Ich will mich nicht mehr so radikal positionieren, wie ich das früher getan habe. Ich möchte positive Emotionen in meine Bilder legen, die den Menschen auch ein bisschen Friedfertigkeit mitgeben. Jeder hier in Jenfeld hat eine unterschiedliche Geschichte. Jeder hat ein unterschiedliches Leben und vielfach auch einen unterschiedlichen kulturellen Hintergrund. Die Verbindung ist jedoch, dass alle Menschen diesen Stadtteil gemeinsam prägen und Jenfeld als ihr Zuhause bezeichnen. Genau das möchte ich einfach abbilden.“

Texte, Filme, Podcast-Interview: Antje Hinz, MassivKreativ